Aus guter alter Zeit


Wenn ab und zu um die Mittagspause der alte Karl bei den Hoffmann Profis auftaucht, dann ist Erzählstunde angesagt.

Karl kommt aus dem tiefsten Hinterland und hat die Hoffmann Profis mit aufgebaut. Seine Erinnerungen an die Zeiten der Elektrifizierung auf den Dörfern ist für die Jungen eine interessante Fundgrube aus der Geschichte der Elektrotechnik.

Den Beginn der Elektrifizierung in seinem Dorf stammt vom Großvater von Karl. Es war Anfang der Zwanzigerjahre, die Bauern waren an den Annehmlichkeiten einer Stromversorgung interessiert.

Kurzerhand stellte man in einer ungenutzten Scheune einen Generator und einen leistungsstarken Dieselmotor, einen sogenannten Rohölmotor auf. Das erste Kraftwerk war in einer einfachen Bretterhalle geboren. Karl erzählte, dass man diese alte Bretterhütte erst kürzlich abgerissen hat.

Eine Firma aus der Stadt war beim Bau solcher Elektroanlagen den Bauern behilflich. Das Kraftwerk hatte keinen Namen funktionierte aber tadellos.

Der Elektrizitätsversorgung AG, die sich damals gegründet hat, gelang es lange Zeit nicht, die Bauern von ihrer Eigenkonstruktion abzubringen.

Erst als der Wunsch nach einem richtigen Ortsnetz die Oberhand gewann und der Großvater von Karl, ein gelernter Elektroingenieur, versprach den Ortsnetzaufbau zu überwachen, gab man der kommerziellen AG den Zuschlag. In einer Gemeinderatsitzung 1921 wurde mit Mehrheit dafür gestimmt.

Zu diesem Zweck hatte man der Elektrizitätsversorgung AG ein Grundstück überlassen, zum Aufbau der Versorgung. Es wurde vereinbart, dass genügend Strom, so viel wie in der Gemeinde gebraucht wird, bereitgestellt werden muss. Die Gemeinde hat sich damals verpflichtet, Strom auf die Dauer von 75 Jahren abzunehmen.

Die Hoffmann Profis lauschen andächtig den Erzählungen ihres alten Kollegen. Der eigentliche Sinn der Mittagspause kommt nach einem Besuch von Karl meistens zu kurz. Für Brotzeit und Gespräche ist da kaum Zeit.

Als es 1922 so richtig losging im Dorf, war der erste Akt die Errichtung einer Fernleitung. Beim Setzen der Masten haben die Landwirte ohne Ausnahme mitgeholfen. Die Isolatoren wurden noch an Ort und Stelle gegipst.

Maschinisten haben die Leitungen gezogen und die Anschlüsse vorbereitet. Um die Stromversorgung langfristig zu sichern, wurde auch gleich eine Hochspannungsfernleitung gebaut.

Das alles geschah zu Zeiten, in denen in anderen Gemeinden das Angebot der Elektrizitätsversorgung AG noch mehrheitlich abgelehnt wurde. Das alles, obwohl das Bezirksamt leistungsschwachen Gemeinden Zuschüsse angeboten hat.

Die Hausinstallationen für alle Bürger, die den Strom wollten und sich ihn leisten konnten, wurden so langsam erstellt. Schule und Feuerwehrhaus waren die ersten, bei denen die Elektroinstallationsarbeiten fertiggestellt wurden.

So langsam begann das, was wir heute als Selbstverständlichkeit erachten, zu wachsen. Transformatorenstationen wurden gebaut und in immer mehr Häusern brannte am Abend Licht.

Es ist auch für die Hoffmann Profis interessant, sich gelegentlich mit den Ursprüngen zu beschäftigen. Sie freuen sich heute schon auf den nächsten Besuch von Karl.