Besuch einer Schulklasse


Eigentlich gibt es in der Werkstatt bei den Hoffmann-Profis nicht viel zu sehen. Durch den persönlichen Kontakt zu einer Lehrerin hat sich der Chef ‚breitschlagen‘ lassen und zugestimmt, eine Schulklasse der Jahrgangsstufe 4 einzuladen.

Die Zehnjährigen sind dann auch am Montagfrüh pünktlich in der Porschestraße eingelaufen. Sofort war Leben in der ‚Bude‘. Gefühlt war die Klassenhöchstzahl in Bayern von 28 Kids ausgeschöpft, also Platzmangel in der Werkstatt der Hoffmann-Profis. Die Stimme des Meisters hatte es anfänglich schwer durchzudringen.

Aber, als nach der Begrüßung der erste Satz das Ohr der Schüler erreichte, ebbte der Geräuschpegel schlagartig ab. „Die Elektrizität ist keinesfalls eine Erfindung des Menschen, sondern ein, auch in der Natur auftretendes Phänomen.”

Sofort entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. „Ja, nehmt doch einfach mal ein Gewitter. Wenn ihr bei einem Gewitter auf die Blitze am Himmel achtet, könnt ihr das beste Beispiel für natürliche Elektrizität sehen.”

Die Kids kommen ins Staunen und der Chef war von den pädagogischen Fähigkeiten seines Meisters durchaus angetan.

„Oder schaut euch das Nervensystem des Menschen oder aller anderen Lebewesen an, das kann nur mittels elektrischer Impulse funktionieren.”

Der Klassenwitzbold unter den Kids machte gleich einen echten Joke daraus: „Hab euch doch immer gesagt, du hast nicht nur Stroh im Kopf sondern auch Strom…” Er klopfte dabei seinem Schulfreund deutlich auf den Kopf. „Ja, Vorsicht Strom und Stroh vertragen sich schlecht, da kriegste schnell einen Kopfbrand“, fiel ein anderer ein.

Nachdem sich das allgemeine Gelächter gelegt hatte, machte der Meister weiter: „Erst Ende des 19. Jahrhunderts hat der Mensch angefangen, elektrischen Strom künstlich zu erzeugen und für sich und seine Ideen zu nutzen.”

Die schlauste Frage kam vom Klassenschlaumeier, ein ganz Kleiner mit runder Brille: „Was ist eigentlich elektrischer Strom?” Diese Frage brachte den Meister kein bisschen in Verlegenheit, er hat sich auf die Kids gut vorbereitet, auch darauf, dass sie alles möglichst verständlich erklärt haben wollen.

„Elektrischer Strom kann nur fließen, wenn Elektronen ‚übrig‘ sind und wenn sich diese Elektronen auch frei bewegen können. Man nennt Elektronen auch ‚Ladungsträger‘, jedes trägt nämlich eine bestimmte elektrische Ladung mit sich herum.”

„Reibt mal einen aufgeblasenen Luftballon an einem Wollpullover, da sammeln sich diese Ladungsträger am Luftballon und werden dann elektrisch geladen. Das merkt man daran, dass der Ballon andere Gegenstände, die nicht geladen sind, anzieht.”

„Wie anziehen?” „Der elektrisch geladene Luftballon ‚klebt‘ so beispielsweise an der Zimmerdecke. Die Decke ist nicht elektrisch geladen und der aufgeladene Ballon und die Zimmerdecke ziehen sich an. Das nennt man dann elektrische Spannung, die baut sich auf zwischen zwei Punkten mit unterschiedlicher Ladung.”

Der Meister erklärt dann auch die Physik dahinter: „Die Träger der elektrischen Ladung sind Teilchen des Atoms, also Protonen. Die sind im Atomkern positiv geladen und die Elektronen dagegen sind negativ geladen und umkreisen den Atomkern.”

Der Meister weiter: „Ihr könnt euch das Atom wie ein Planetensystem vorstellen. Der Atomkern ist die Sonne und die Elektronen sind die Planeten. Positive und negative Ladung zieht sich gegenseitig an, positiv und positiv beziehungsweise negativ und negativ stoßen sich ab. Der Strom ist nichts anderes als die Bewegung von elektrischen Ladungsträgern.”

Uff, das war jetzt ganz schon kompliziert und nicht alle haben alles richtig verstanden. Da bringt der Meister noch ein praktisches Beispiel: „Stellt euch vor, eure Taschenlampe funktioniert nicht mehr. Da könnt ihr schütteln und rütteln so viel ihr wollt. Wenn die Batterie leer ist, fließt einfach kein Strom mehr.”

Der Meister erklärt den Kids: „Schon die alten Griechen kannten Elektrizität. Sie benannten dieses Phänomen und beschäftigten sich damit. Sie stellten auch schon erste Theorien darüber auf, wie es funktionieren könnte.”

Noch ein letztes praktisches Beispiel hatte der Meister im ‚Köcher‘: „Elektronen können die Umlaufbahn um einen Atomkern verlassen und sich stattdessen an ein anderes Atom heften. Ein Beispiel wäre das Kämmen der Haare. Durch die Reibung mit dem Kamm wird dieser negativ aufgeladen. Die Elektronen der Haaratome werden dabei auf das Material des Kamms übertragen. Unterschiedliche Ladungen ziehen sich an, deswegen bleiben die Haare im Kamm hängen.”

Fürs erste war diese Lehrstunde bei den Hoffmann-Profis mit viel Grundsätzlichem gefüllt. Kids, Lehrerin, Meister und Chef waren sich einig, dass so ein Lehrstündchen in der Praxis für alle sehr interessant ist. Für das nächste Mal hat der Meister versprochen, einmal ein paar praktische Experimente vorzubereiten. Nachdem sich die Werkstatt geleert hat, waren sich Meister und Chef einig: „Um den Nachwuchs kann man sich nicht früh genug kümmern.”