Besuch vom Opa

Immer wenn der alte Herrmann mal wieder bei den Hoffmann-Profis auftaucht, ist eine spannende Stunde in der Mittagspause garantiert. Der Herrmann, liebevoll von allen ‚Opa‘ genannt, ist nämlich in Sachen Elektrizität ein echter Veteran und quasi das Maskottchen der Hoffmann-Profis. Er hat noch lang nach seiner Pensionierung stundenweise bei den Hoffmann-Profis ausgeholfen und deshalb nie den Anschluss zu den Jungen verloren.

Mit 14 Lebensjahren hat er angefangen zu arbeiten und gehörte damals zu den Pionieren der Elektrifizierung auf dem Lande. Bei seinem letzten Besuch hat er ein vergilbtes Foto mitgebracht, auf dem eine Gruppe zu sehen war in blauer Arbeitskleidung. „Dieser Trupp hat uns im Dorf den Strom gebracht.”

Der ganze Trupp hatte mit Sicherungshaken bestückte Gürtel um den Bauch. Auf den Latzhosen prangte ein Schild ‚Hochspannung Vorsicht Lebensgefahr‘. Allen Kollegen auf dem Foto ist der Stolz, dass sie zu den Strompionieren zählten, deutlich anzusehen. Sie waren die Überbringer des technischen Fortschritts.

Bevor die Mannschaft mit den technischen Arbeiten loslegen konnte, gingen lange Diskussionen im Gemeinderat voraus. Sollte man sich auf den elektrischen Strom einlassen oder nicht? Die Fortschrittsbefürworter hatten es gegen die Traditionalisten schwer. Schließlich waren es erhebliche Kosten, die auf die Gemeinde zu kamen. Elektrotechnischen Anlagen waren zu Anfang noch sehr teuer.

Aber ein Machtwort vom Bürgermeister sorgte dann letztendlich für die Zustimmung zu diesem Zukunftsprojekt. Die Holzmaste wurden, um Kosten zu sparen, von verschiedenen Waldbauern zur Verfügung gestellt. Geschält und auf die richtige Länge zugeschnitten, lagerten sie auf dem Dorfplatz.

Die Erdlöcher für die kurzen Masten hat man mit der Hand ausgehoben und mit der Erde wieder zugeschüttet. Das ganze Dorf hat mitgeholfen, die Erde wieder gut fest zu treten. Erst später hat man die Maste vorher imprägniert, damit sie nicht gleich durch die Bodenfäule morsch wurden.

Dann kam die große Stunde der Blaumänner. Mit Steigeisen kletterten sie hinauf, bauten die Porzellan-Isolatoren ein und umwickelten sie mit dem isolierten Kupferdraht.

Von der alten Erna ist der Spruch überliefert: „Wenn die Dinger net so hoch wär’n, könnt mer wenig’st die Wäsch da aufhäng.”

Als dann die Leitungen in die Häuser gelegt wurden, war der Aha-Effekt groß. Mit den ersten Lampen in Wohnzimmer und Küche war der Fortschritt im Dorf angekommen.

Dass dabei auch viel Unsinn passiert ist, ist auch überliefert. So berichtet der ‚Opa‘ davon, dass der eine Bauer seine Dreschmaschine einfach mit Drähten an der Freileitung angeschlossen hat, weil für die Maschine kein eigener Anschluss da war.

Die Geschichten aus der Anfangszeit der Elektrifizierung führen immer wieder einmal den Hoffmann-Profis die Bedeutung ihrer eigenen Branche vor Augen. Manch einer von den Jungen wünscht sich, wenn gleich nur für kurze Zeit, zurück in die Pionierzeit.

Aber der ‚Opa‘ freut sich immer bei seinen Besuchen über die heutigen technischen Möglichkeiten. Er versäumt nie, sich ein neues Werkzeug erklären zu lassen, das zu seiner Zeit noch nicht bekannt war.

Der Elektriker war damals ein viel bewunderter Mann. Es ist eigentlich heute noch so, speziell wenn er wie die Hoffmann-Profis immer wieder gute Arbeit leistet und zur Lösung vieler Probleme beiträgt.