Elektro Hoffmann im Saunaclub


Normalerweise verteilt der Meister bei den Hoffmann-Profis seine Aufträge bei der Morgenrunde sehr bestimmt. Diesmal war das etwas anders. Er fragte, wer denn mal Lust hat auf einen ganz besonderen Auftrag. Die Sinne aller waren sofort geschärft, es ist selten, dass der Meister nicht konkret sagt wer was macht.

„Ja Leute, das ist heute mal was ganz Besonderes…”, eierte der Meister herum. „Heute brauch ich einen gestandenen Mann, der mit allen Eventualitäten gut umgehen kann.” Der Jüngste aus der Truppe hatte sofort den Arm oben. „Für dich ist das nichts, du willst doch demnächst heiraten, ich will nicht, dass du Probleme mit deiner Liebsten kriegst.” „Also Meister, spuck’s aus, was ist das für ein besonderer Auftrag?”

„Also, der FKK-Sauna-Club hat sich gemeldet, er braucht eine Lichtinstallation für die Außenanlage, für den Saunagarten.” Alle quatschen sofort durcheinander: „Da rennen alle nackert rum?” „Und du mit deinem Stromprüfer mittendrin.” Gelächter und Unsicherheit bei allen.

„Keine Angst”, sorgt der Meister für Ruhe. „Der Club ist ohnehin geschlossen, weil wegen Corona dürfen die noch lange nicht aufmachen.” Nach Ansicht der Inhaber ist das jetzt die beste Gelegenheit den Saunagarten mit einer raffinierten Außenbeleuchtung richtig aufzurüsten. „Der ganze Auftrag ist für einen zu groß, es müssen ohnehin zwei Leute den Job machen.”

Um diesen Auftrag streiten sich wieder alle, der Meister fällt ein salomonisches Urteil: „Ich gehe wohl am besten selbst und nehme, damit ist die Diskussion beendet, die Hanna mit.” Hanna ist eine gestandene Hoffmann-Profi-Frau, die schon länger als 5 Jahre beim Hoffmann-Team ist. Hanna und der Meister packen alles zusammen, was man zu diesem Job erwartungsgemäß braucht und ab geht‘s.

Der Club liegt recht malerisch am Rande einer Stadtrandgemeinde und ist von außen nur mit einem kleinen Schild erkennbar. Das Ganze macht den Eindruck einer gediegenen Villa eines betuchten ’Landesfürsten’. Mutig die Klingel gedrückt und sofort wird auch schon die Haustür geöffnet. Eine echte Dame in einem seidenen Morgenmantel steht in der Tür. Dicke Schminke hat sie sich schon aufgelegt. Sie freute sich, dass die Hoffmann-Profis pünktlich zum vereinbarten Termin auf der Matte stehen.

Der Weg zur Baustelle führte durch ein großes Foyer, einen langen Gang mit vielen Türen rechts und links, durch ein großes Wohnzimmer mit einem Pool in der Mitte und einem umlaufenden Tresen vielen Barhockern.

Die großen Tafeln an der Wand fallen den Hoffmann-Profis sofort ins Auge. Jeder Kunde soll wissen was er zu erwarten hat, wenn er den Club besucht. Da kann er z.B. einen Piccolo zum ‚kleinen‘ Preis von 35 Euro erwerben. Für eine ganze Flasche Sekt der Hausmarke verlangt man schon 85 Euro. Die Hanna flüstert ihrem Chef zu: „Bin nur froh, dass ich meinen Tee mitgenommen habe…” Eine Tasse Kaffee für 3 Euro erscheint da noch als vergleichsweises Sonderangebot.

Genug gestaunt, jetzt geht‘s an die Arbeit. Im großen Saunagarten sind die Hoffmann-Profis nicht alleine. Eine bekannte Baufirma war schon dabei die Gräben für die Leitungen zu ziehen. Ein kleiner Minibagger und ein Mann mit Schaufel komplettierte das Team auf der Baustelle. „Mensch Chef, bin ja froh, dass wir nicht selber schaufeln müssen.”

Der ganze Auftrag war von einem Architekten geplant und die einzelnen Gewerke auch vom Architekturbüro vergeben. So war der Auftrag rein technisch gesehen eine runde Sache. Die Teile für die Beleuchtung lagen alle bereit. Einzig die Kabel mussten die Hoffmann-Profis selbst mitbringen.

Der Anschluss an die Stromverteiler im Haus war auch kein Problem. So war es möglich, dass bei Einbruch der Dunkelheit der ganze Garten in hellem, farbig gemischtem Licht erstrahlte. Weil die beiden Hoffmann-Profis das Ergebnis ihrer Arbeit auch sehen wollten, hat man sich darauf geeinigt, dass die Abnahme bei Dunkelheit erfolgt.

Die nette Dame vom Morgen, sie hatte in der Zwischenzeit ihren Morgenmantel natürlich gegen ein stilvolles Kleid gewechselt, hat dann den Handwerkern sogar einen Piccolo spendiert. Da standen sie alle im Garten, bestaunten die Lichtshow und jeder machte sich so seine eigenen Gedanken über das bunte Treiben, das dann dort im Garten stattfinden wird, wenn mal der Club mal wieder geöffnet ist.

Auf der Heimfahrt spekulierten die beiden Hoffmann-Profis darübe, ob man vielleicht dem Nachwuchsstar unter den Hoffmann-Profis einen Gutschein für seinen Junggesellenabschied schenken sollte. Dafür und für frivole Herrenabende bot sich das Haus auf dem Plakat an der Wand auch an. „Na dann versuch mal zu sammeln, ob du dafür ein paar hundert Euro zusammen bekommst, ich möchte das bezweifeln”, der Meister schüttelte den Kopf. Er glaubt, dass das Geld für ein vernünftiges Hochzeitsgeschenk wohl besser angelegt ist.