Frauen im Elektro-Handwerk

Fachkräftemangel im Handwerk ist auch in Zeiten von Corona ein Thema. So ist es immer wieder erfreulich, wenn sich, wie im Falle der Hoffmann-Profis, Frauen für diesen Job entscheiden. Gerade die Elektrotechnik kann für Frauen eine große Chance in dieser ehemaligen Männerdomäne werden.

Für Frauen ist es nicht immer einfach, sich für diesen Weg zu begeistern. Die knapp 40-jährige Anja ist jetzt schon lange dabei und hat diese Entscheidung noch nie bereut. Sie leitet heute sogar gelegentlich ein kleines Männerteam. Alle tanzen anstandslos nach ihrer ‚Pfeife‘. Auch wenn sie gerne Mal mit auffällig lackierten Fingernägeln auf der Baustelle erscheint, Probleme mit anderen Gewerken auf dem Bau hat es noch nie gegeben. Wer ihr irgendwie krumm kommt, hat rein verbal schlechte Karten gegen die schlagfertige Frau im Arbeitsanzug.

Nicht nur das Elektro-Handwerk bräuchte viel mehr solch taffe Frauen wie die Anja.

Die Bundesagentur für Arbeit meldete im letzten Jahr 156.000 offene Stellen im Handwerk. Besonders nachgefragt sind Frauen bei den Klempnern, Heizungsbauern, Klimatechnikern und natürlich im Elektrohandwerk.

Mit Kampagnen auf Instagram, Twitter und Facebook versucht der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) speziell junge Frauen für die Ausbildungsberufe zu interessieren.

Die Corona-Krise hat zum Glück das Handwerk nicht allzu sehr getroffen. Für Wartungsarbeiten und Reparaturen in leeren Schulen und Kitas ist gerade jetzt die richtige Zeit. Die Arbeit unterscheidet sich kaum merklich von der Arbeit in Vor-Corona-Zeit. Einzig die Arbeit auf den Baustellen, in Zusammenarbeit mit anderen Gewerken, erfordert etwas mehr Koordination und Konzentration, um Abstands- und Hygieneregeln genau einzuhalten.

Die Krise wird eines Tages vergessen sein. Was bleibt sind sinkende Geburtenraten und damit der allgemeine Fachkräftemangel im Handwerk. Immer mehr junge Leute ziehen ein Hochschulstudium der dualen Ausbildung vor. Gerade jetzt ist also die Zeit, sich als Frau den Einstieg in einen Handwerksberuf zu überlegen. Mit einer Ausbildung zur Elektronikerin in der Energie- und Gebäudetechnik kann ein wichtiger Baustein für die Zukunft gesetzt werden.

Umfassend ist der Aufgabenbereich für die Elektronikerin der Energie- und Gebäudetechnik. Sie plant elektrotechnische Anlagen von Gebäuden sowie deren Energieversorgung und Infrastruktur. Sie installiert die Anlagen, nimmt sie in Betrieb, wartet und repariert sie bei Bedarf. Die bundesweit geregelte Ausbildung dauert 3,5 Jahre. Mit einem guten Realschulabschluss wäre schon die erste Hürde genommen. Natürlich erwarten die Hoffmann-Profis auch ein entsprechendes technisches Verständnis, Zuverlässigkeit und Motivation.

Die Angemessenheit einer Ausbildungsvergütung wird für Ausbildungen, die in 2020 und später beginnen, durch das novellierte Berufsbildungsgesetz über die Mindestvergütung geregelt. Das bedeutet im ersten Ausbildungsjahr z.B. 780 € monatlich brutto. Das steigert sich bis zum vierten Ausbildungsjahr auf 950 €.

Anja hat jedenfalls ihren Schritt nie bereut. Sie ist heute von Kollegen geschätzt und die Kunden sind immer wieder höchst erfreut, wenn sie wie gewohnt gute Arbeit abliefert. Die Frage, ob sie das als Frau wohl könne, hat sie in ihrer ganzen Zeit bei den Hoffmann-Profis ein einziges Mal gehört. Wenn diese Kundin heute ein Problem mit ihrer Hauselektrik hat, verlangt sie explizit nach Anja.