Kirchenglocken

Zum Gebet und zum Lobe Gottes

Der Anruf eines Pfarrers aus dem Landkreis klang schon nach einer kleinen Katastrophe. Seine Kirchenglocken blieben stumm. Er ist selbst hinaufgestiegen auf den Glockenturm und hat das ganze Gestühl in Augenschein genommen.

Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung, berichtete Hochwürden. Es könnte eigentlich, so vermutete der Geistliche, nur am elektrischen Antrieb liegen. Also ein Fall für die Hoffmann-Profis.

Dem Pfarrer und den Gläubigen im Dorf musste geholfen werden. Bekannt war bei den Hoffmann-Profis, dass sich im Glockenturm vier Glocken befinden. Läuten die Glocken, schwingt der ganze Glockenkörper hin und her. Ein Klöppel schlägt gegen die Glocke und erzeugt den Ton.

Zum Hin- und Herschwingen hat man die Glocken in früheren Zeiten mit einem langen Seil gebracht, das mit Muskelkraft vom Boden aus gezogen wurde. Eine schweißtreibende Arbeit, nichts für Leichtgewichtler.

Mit der Zeit fanden sich immer weniger Ministranten oder Küste, die diesen schweren Dienst zu festen Zeiten zuverlässig übernahmen.

Jede Viertelstunde und zu jeder vollen Stunde (zwischen 6 und 22 Uhr) wurden zwei verschiedene Glocken geschlagen, das war der sogenannte Glockenschlag, der die Uhrzeit verkündete.

Normal geläutet wurden die Glocken früh um 6 Uhr zum Morgengebet. Um 11 Uhr zeigt die Glocken an, dass es bald Zeit zum Mittagessen ist. Das 15-Uhr-Läuten erinnerte immer an die Todesstunde Jesu und um 18.30 Uhr läuten die Glocken zum Abendgebet.

Als sich dann wirklich keiner mehr fand, der diesen Dienst übernehmen konnte, entschloss man sich einen elektrischen Antrieb anzuschaffen.

Eine Spezialfirma hat 1952 die Motoren eingebaut und die dazugehörige Mechanik. Gesteuert wurde das Werk durch Schaltuhren, die dann diese Arbeit übernahmen.

Als Motoren nutzte man Drehstrommotoren, die als sogenannte Asynchronmaschinen ausgelegt waren. Das sind Motoren, die normalerweise problemlos 50 Jahre wartungsfrei laufen. Voraussetzung ist, dass die Motoren nicht überlastet werden. Die Motoren laufen mit einer festen Drehzahl. Die Drehzahl pro Minute bleibt über die Dauer des Einsatzes immer gleich. Der Motor besteht aus dem feststehenden Teil, dem Ständer und dem sich drehenden Teil, dem Läufer.

Laufen die Motoren öfter mal untertourig, weil ihnen z.B. eine zu große Last zugemutet wird, werden die Motoren heiß und gehen kaputt.

Soviel zur Theorie, vor der Praxis hat der Bauherr der Kirche einen Kirchturm mit 35 m Höhe gebaut. Die steile Holztreppe fordert von den Hoffmann-Profis vollen körperlichen Einsatz. Der Herr Pfarrer ist unten geblieben, hat er doch den Aufstieg heute schon einmal im Alleingang gemacht.

Oben angekommen haben die beiden Hoffmann-Profis erst einmal die Motoren untersucht. Schnell war klar, einer der Motoren hat seinen Geist aufgegeben. Ein leichter Brandgeruch lag immer noch in der Luft. Woher allerdings die augenscheinliche Überbelastung gekommen ist war im Nachhinein nicht mehr festzustellen. Die Vermutung war, irgendetwas in der Mechanik hat geklemmt und damit dem Motor zu viel Kraft abgefordert.

Das Motortypenschild war zwar schon leicht verwittert, aber mit Taschenlampe und vereinten Kräften konnten die Hoffmann-Profis die angegebene Umdrehungszahl des Motors und die Leistung in KW ablesen.

Ein Ersatz für den Motor war schnell beschafft, trotzdem musste die Gemeinde noch zwei weitere Tage ohne die gewohnten Töne vom Glockenturm auskommen. Aber dann war die Freude gro, als wie gewohnt die Glocken nach der ‚Läuteordnung‘ wieder zum ‚Gebet und zum Lob Gottes‘ erklangen.