‚Kleinvieh’ macht keinen Mist


Die Hoffmänner- und Frauen gehören ja bekannterweise zu den sehr gefragten Handwerkern. Sie kommen kaum nach, was die Aufträge in Neubauten und bei Altbausanierungen betrifft. Dazu kommen noch die Aufträge für öffentliche Veranstaltungen und Events.

Mitten im größten Trubel rappelt das Telefon. Ein älteres Männle, genau genommen eigentlich ein Stammkunde, ist am Telefon. Vor seinem Ruhestand hat er mit seinem kleinen Betrieb oft die Profis von Elektro Hoffmann gebraucht. Er war mit der Qualität und vor allem mit der Zuverlässigkeit immer sehr zufrieden.

Sein umständlich erklärtes Anliegen war, dass im Treppenaufgang seines kleinen Reihenhäuschens eine neue Lampe montiert werden müsste. Vorsichtig fragte er an, ob das trotz Feiertage und allgemeiner Jahresendhektik noch vor dem Jahreswechsel möglich sein könnte.

„Mensch, gerade jetzt, hat das nicht Zeit?”
Der Meister recht ernst: „Wer übernimmt? Den Alten können wir nicht hängen lassen.” Keiner findet an diesem Freitag noch Zeit, um in den kleinen Vorort zu fahren, wegen dieser einen kleinen Lampe.

Alle hatten die Hände voll zu tun und mussten Baustellen termingerecht weit ab von dieser Stadtrandgemeinde bedienen. Klar war, dass dort incl. Fahrzeit die Arbeit mindestens für 3 Stunden liegen bleib musste.

Also bleibt nur noch der Meister, er musste selber ran. Seine Fähigkeiten, solche Kleinigkeiten eigenhändig zu erledigen, sind naturgemäß in den langen Jahren im Büro, immer mit Plänen von Großbaustellen im Kopf, etwas eingerostet.

Aber man ist schließlich als Meister Vorbild und darf sich für solche Arbeiten nicht zu schade sein. Die Begrüßung bei dem Kunden war sehr herzlich, man kannte sich schon lange aus früheren Zeiten. Manches stromtechnische Problem hat man in dem Druckbetrieb des alten Herren sehr gut und immer schnell gelöst.

Der bescheidene Wunsch, die Lampe im Treppenaufgang zu installieren, war schnell erfüllt. Einzig die ‚artistische‘ Einlage mit der Leiter auf den Treppenstufen im Aufgang war für den Meister eine gewisse körperliche Herausforderung.

Im Geiste hat er sich schon im Auto bei der Anfahrt die einzelnen Schritte zurecht gelegt. Einen Fehler wollte und konnte er nicht machen. Also im Gedanken noch einmal die einzelnen Schritte lehrbuchmäßig durchgehen: Als erstes die Sicherung raus – Spannung kann auch ein Meister bei der Arbeit nicht gebrauchen. Dann mit dem Phasenprüfer kontrollieren. Die alte Wandlampe abmontieren. Jetzt die Halterung der neuen Lampe anschrauben.

Das Mauerwerk des Reihenhäuschens aus den Sechzigern ist mit recht porösen Ziegeln gebaut. Dort mit dem richtigen Bohrer die richtigen Löcher für die kleinen Dübel zu bohren ist nicht einfach. Aber mit entsprechender Vorsicht und Fingerspitzengefühl ist auch diese Hürde für den Meister kein Problem.

Jetzt kommt die neue Lüsterklemme dran. Seinen Azubis hat er immer gepredigt, dass sie darauf achten müssen, die kleinen Schrauben nicht zu weit aus der Lüsterklemme heraus zu drehen, sie fallen sonst herunter.

Wer schon einmal in einem Treppenhaus so ein kleines Schräubchen aus einer Lüsterklemme gesucht hat, weiß, dass man dabei leicht ins Schwitzen kommt. Im ‚Katastrophenfall‘ ist es besser gleich eine neue Klemme zu nehmen.

Alles ist gut gegangen und die Drähte sind verbunden und die kleinen Schrauben wieder festgezogen. Jetzt kann die eigentliche Leuchte auf die Befestigung montiert werden. Jetzt noch darauf achten, dass die Lampenkabel möglichst gut im Gehäuse versteckt sind, fertig.

Der alte Herr strahlt vor Freude, dass es so schnell gegangen ist und dass es noch vor dem Jahreswechsel geklappt hat. Für den angebotenen Kaffee hat der Meister, sehr zum Leidwesen des Kunden, keine Zeit mehr. Daheim wartet die übliche Jahreswechsel-Hektik.

Auf der Rückfahrt hat sich beim Meister ein richtig gutes Gefühl eingestellt. Zum einen hat er sich selber gezeigt, dass er die praktischen Grundfertigkeiten noch immer perfekt beherrscht, zum zweiten hat er dem alten Herren einen großen Gefallen getan und drittens, die Erkenntnis dass ‚Kleinvieh‘ in Sachen Aufträge wirklich keinen Mist macht.

Seinen Mitarbeitern hat er gezeigt, dass er sich für solche Kleinaufträge nicht zu schade ist. Sowas spricht sich nämlich schnell herum und Mundpropaganda ist nicht nur für die Hoffmann-Profis die beste, weil unbezahlbare Werbung.