Teurer Mutwille


Erst im letzten Herbst hatten die Hoffmann Profis eine ganze Großgemeinde mit fünf Gemeindeteilen auf moderne LED-Straßenbeleuchtung umgestellt. Der Anruf des Bürgermeisters im neuen Jahr hat die Hoffmann Profis aufgeschreckt. In einem Gemeindeteil würden Leuchten ausfallen. Nach kurzer Diskussion ergab sich nur die eine sinnvolle Lösung: Den Ruthmann-Steiger starten und auf geht‘s.

Ende September hatten die Hoffmann Profis die gesamte Umstellung fertig gestellt und an die Gemeinde übergeben. Alles hat bis jetzt wie erwartet bestens funktioniert. Die Verwaltung und die Bürger waren mit dem warmweißem LED-Licht sehr zufrieden.

Ein besonderes ‚Schmankerl‘ für die Bürger war die Errichtung von autarken Straßenlampen an abgelegenen Wegen, die nicht an das Netz angeschlossen waren. Die Leuchten mit integriertem Solarmodul und eingebautem Akku stellten eine ideale Alternative dar, um diese ‚dunklen Ecken‘ auszuleuchten, ein wesentlicher Beitrag zum Erhöhen des Sicherheitsgefühls bei den Bürgern.

Ausgerechnet einige dieser Leuchten sollen wohl ausgefallen sein. Im Gemeindeteil angekommen, zeigten die Leuchten schon vom Boden aus Beschädigungen am Lampenkörper. Ausgerechnet an diesem Tag hielt der Winter mit heftigem Schneefall seinen Einzug. Das Handling mit dem Steiger erforderte besondere Sorgfalt.

Oben angekommen bot sich dem Hoffmann Profi ein Bild der Zerstörung. Seine erste Vermutung war, es hat jemand auf die Leuchten geschossen. Der gesamte Lampenkörper war zerstört und musste mitsamt der Solarmodule ausgewechselt werden. Bei den Hoffmann Profis macht sich trotzdem Erleichterung breit, ein technischer Defekt, der auf die Arbeit der Hoffmann Profis zurück zu führen wäre, war nicht der Grund für den Ausfall.

Die Polizei wurde eingeschaltet, nachdem die Hoffmann Profis noch einige weitere Leuchten, auf die gleiche Weise zerstört, vorgefunden haben. Die Sachverständigen der Kripo haben das Angebot gerne angenommen, den Steiger der Hoffmann Profis als Aufstiegsplattform zu nutzen. Nach der Untersuchung waren sich die Kriminaltechniker einig, Feuerwaffen haben den ‚Tod‘ der Leuchten nicht verursacht.

Eine nähere Untersuchung der Tatortumgebung haben eine Anzahl von Bleikugeln zu Tage gefördert, die offensichtlich mit einer Steinschleuder oder auch Zwille genannt verschossen wurden. Skeptisch waren die Polizeiexperten, was die Trefferchancen mit einem solchen Gerät anbelangt.

Bei Recherchen im Internet stellte sich heraus, dass es recht professionelle Gerätschaften zu kaufen gibt, deren Projektile eine solch enorme Wucht entwickeln, dass sie mit Schusswaffen durchaus vergleichbar sind. Die Treffergenauigkeit ist eine Frage der Übung.

Anhand der im Umfeld der Lampen aufgefundenen großen Anzahl von Bleikugeln wurde klar, dass ein erheblicher Trainingsaufwand betrieben wurde. Es war sicher nicht einfach die 8mm-Bleikugeln ins Ziel zu bringen. Die Vandalen hatten in den Nächten vor Weihnachten viel Zeit, bis sich die erwünschten Treffer eingestellt haben und die Leuchten ausgeknipst waren. Im Gegensatz zu normalen Schusswaffen verursachen die Zwillen keine Knallgeräusche.

Mit solchen sogenannten Sport-Modellen lässt sich eine unglaubliche Durchschlagskraft produzieren, die mit der Energie eines Schusswaffenprojektils durchaus vergleichbar ist. In manchen Staaten werden solche Profi-Schleudern zum Jagen verwendet, um damit kleineres Wild zu erlegen. Für das Überleben in der Wildnis ist eine solche handliche Waffe sicher eine Option.

Der Schaden, den diese ‚Survival-Aktion‘ an der Beleuchtung im ganzen Ortsteil anrichtete ging in die Tausende. Die Verwaltung hat für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine hohe Belohnung ausgesetzt. Ein ‚Dummer-Jungen-Streich‘ war das nicht. Die Hoffmann Profis erklärten sich bereit, die Schäden zum Selbstkostenpreis zu regulieren, damit der Schaden möglichst klein bleibt.

Gerade bei uns im ländlichen Raum sind die Mittel für eine gute Beleuchtung nicht gerade üppig. Speziell eine LED-Straßenbeleuchtung trägt dazu bei, dass sich die Folgekosten im Rahmen halten, wenn nicht wie in diesem Fall, Chaoten mit Zerstörungswut zuschlagen.